![]() |
| carsten kobow/dfb |
Auf St. Pauli, unweit vom Millerntorstadion, fand der vierte und damit letzte Spieltag der Blindenfußballbundesligasaison 2010 statt. Dabei konnte der amtierende deutsche Meister, MTV Stuttgart, mit zwei Siegen zum Abschluss verlustpunktfrei den Titel erneut erringen und seinen ärgsten Verfolger, ISC Viktoria Dortmund, mit einem Sieg im direkten Duell auf Distanz halten, so dass für die Westfalen lediglich die Vizemeisterschaft vor dem dritten aus Berlin blieb.
In der ersten Partie des Abschlussspieltags traf die Spielgemeinschaft Saar 05/Eintracht Braunschweig auf das Team des BFW Würzburg. Nationalstürmer Sebastian Schäfer gelang bereits in der Anfangsphase das goldene Tor zum Sieg für die Franken, da die Spieler der SG zwar insbesondere in der zweiten Halbzeit auf den Ausgleich drängten, aber ihnen mit ihrer einzigen Spitze, Heinrich Niehaus, die Durchschlagskraft fehlte.
Anschließend kam es zum Revierderby zwischen Dortmund und Gelsenkirchen. Um im direkten Duell gegen den Tabellenführer, Stuttgart, am Sonntag noch eine Chance auf den Meistertitel zu haben mussten die Viktorianer gewinnen und dabei auch versuchen etwas für ihr Torverhältnis zu tun. So erspielten sich die Schützlinge von Spielertrainer Hasan Caglikalp zahlreiche Chancen gegen die defensiv eingestellten VfBler, welche Torwart Daniel Soldanski reihenweise mit Glanzparaden vereiteln konnte ehe er sich mitte der ersten Halbzeit nach einem Schuss von Torjäger Cengiz Dinc geschlagen geben musste. Ähnlich einseitig ging die Partie weiter, auch wenn Kapitän Bayram Dogan die Ausgleichschance vom 8-Meterpunkt hatte und vergab. Michael Meier sorgte wenig später für die Entscheidung bevor durch die rote Karte für Bayram Dogan auch noch Farbe in das ansonsten faire Match kam, er hatte im Zweikampf mit Hasan Altunbas nach getreten, wobei der ISCler seinerseits den gelben Karton sah.
Der deutsche Meister von 2008, SSG Blista Marburg, wollte im nächsten Spiel unbedingt drei Punkte einfahren, um seine Ambitionen auf die Vizemeisterschaft zu wahren und ging so folgerichtig offensiv in die Partie gegen den Chemnitzer FC. Doch der von Kapitänin, Nuray Gürler, organisierte Abwehrriegel machte es der Angriffsabteilung der SSGler schwer, aber Goalgetter, Alican Pektas, erzwang mit einem Lupfer unter die Latte die Halbzeitführung für sein Team. Nach der Pause gaben die CFCler ihre ausschließlich Defensive Haltung auf, was Pektas zu drei weiteren Toren zum 4:0 Endstand zu nutzen wusste, womit er sich mit 14 Toren zwischenzeitlich an die Spitze der Torschützenliste setzte.
Ihren letzten Einsatz in der Blindenfußballbundesligasaison 2010 hatte die SG Saar 05/Eintracht Braunschweig bereits am Samstagnachmittag um 16 Uhr. Man traf dabei auf den LFC Berlin. In der ausgeglichenen Partie erzielte Gerd Franzka, als alle schon mit einem torlosen Remis rechneten, den Siegtreffer für das Hauptstadtteam. Trotz der beiden knappen Niederlagen zum Abschluss zeigte sich Trainer Otfried Morin hochzufrieden mit dem abschneiden der Spielgemeinschaft in ihrer prämieren Saison, welche Sie auf Platz sieben beendeten.
Im letzten Samstagsspiel griff auch der gastgebende FC St. Pauli ins Geschehen ein. Die Kiezkicker trafen im Abendspiel vor zahlreichen Zuschauern auf den Tabellenführer aus Stuttgart. Die Schwaben wollten möglichst hoch gewinnen um mit weniger Druck ins Saisonfinale gegen den ISC Viktoria Dortmund gehen zu müssen. Dieses Unterfangen glückte dem Team von Trainer Ulrich Pfisterer auch, da Vedat Sarikaya mit seinen Saisontoren 14 bis 17 und Mulgheta Russom vom 8-Meterpunkt für den souveränen 5:0 erfolg sorgten.
Gehandicapt durch die Ausfälle des langzeitverletzten Dennis Krallert und des gesperrten Kapitäns Bayram Dogan ging der sechstplazierte, VfB Gelsenkirchen, ins Match gegen den Tabellen fünften aus Würzburg. Dieser entschied die Partie auch durch einen Doppelpack von Sebastian Schäfer, mit seinen Saisontoren sieben und acht und einem Solo der Kölner Leihgabe Cengiz Koparan mit 3:0 für sich.
Kofi Ossei sorgte mit einem Treffer mitte der ersten Halbzeit und einem verwandelten 8-Meter-Strafstoß kurz vor Schluss, es waren seine Saisontore zehn und elf, für den 2:0 Sieg des LFC Berlin über die SSG Blista Marburg, bei der insbesondere Alican Pektas mehrfach im überragenden Keeper, Moritz Klotz, im Kasten der Hauptstädter seinen Meister fand. Damit konnten sich die LFCler noch an den Lahnstädtern vorbei auf den dritten Platz schieben, wohingegen für die SSG Blista, wie im Vorjahr, nur der undankbare vierte Rang blieb.
Im Duell um die rote Laterne traf das Heimteam, der FC St. Pauli, auf den vor ihnen platzierten Chemnitzer FC. Ein Unentschieden sollte den Sachsen bereits für die Verteidigung ihres achten Platzes reichen, was die St. Paulianer mit einem Sieg unbedingt verhindern wollten um dem CFC die rote Laterne übergeben zu können. So entwickelte sich eine Partie mit mehr Spielanteilen für die Gastgeber, aber die Defensive der Chemnitzer hielt. Auch ihre Strafstöße konnten beide Teams nicht verwandeln, so dass es beim 0:0 blieb und St. Pauli die Saison auf Platz neun beendete während Chemnitz den achten Platz behaupten konnte.
Das letzte Spiel der Blindenfußballbundesligasaison 2010 hätten die Spielplaner im Vorfeld der Liga nicht besser ansetzen können. Der bislang ungeschlagene Spitzenreiter MTV Stuttgart traf auf den zweiten ISC Viktoria Dortmund. Die Vorraussetzungen waren klar, der ISC Viktoria hätte mit mindestens vier Toren Vorsprung gewinnen müssen um den MTV noch vom Meisterthron stoßen zu können. Doch eine Hiobsbotschaft machte schnell die Runde, der zwölffache Torschütze der Dortmunder, Cengiz Dinc, hatte sich im Spiel Tags zuvor verletzt und konnte nicht auflaufen. Trotzdem entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit Chancen hüben wie drüben. Vedat Sarikaya brachte den amtierenden Meister Mitte der ersten hälfte in Führung, womit er sich mit 18 Toren den Titel des Torschützenkönigs sicherte. Mulgheta Russom legte vom 8-Meterpunkt aus nach. Die Westfalen gaben sich zwar nicht auf, aber kamen durch Hasan Altunbas nur noch zum Anschlusstreffer.
Die abschließende Siegerehrung wurde von Marius Caspary und Kristian Mann moderiert. Nachdem Sie die Stimmung ordentlich angeheizt hatten gaben Sie dem Vorsitzenden des Ligavorstandes, Herrn Tobias Wrzesinski das Wort, welcher sich beim Ausrichter des aktuellen Spieltags auf St. Pauli als auch bei den Ausrichtern der Spieltage zwei und drei in Marburg und Würzburg so wie bei den Schiedsrichtern für ihre Leistungen bedankte.
Der Amateurvorstandsvorsitzende des FC St. Pauli, Herr Matthias Bodeid, nahm die dankenden Worte des Stellvertretenden Vorsitzenden der Sepp-Herberger-Stiftung des deutschen Fußballbundes auf und ludt alle Mannschaften zu den „Keep your mind wide open“, den Blindenfußballhallenmasters, am 18. und 19. September ein.
Anschließend trat Alexander Fangmann (MTV Stuttgart) als Mitglied des Liga-Ausschusses ans Mikrophon und bedankte sich bei den drei Ligaträgern für ihre Mühen und drückte seine Hoffnung aus, dass es auch in Zukunft so weitergeht. Die Pokale sollten von Hannelore Ratzeburg, Vizepräsidentin des deutschen Fußballbundes zuständig für Jugend- und Frauenfußball, Luttger Elling, Vizepräsident des deutschen Behindertensportverbandes und Reiner Delgado, Sozialreferent beim deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, überreicht werden.
Bevor es aber so weit war, richteten Sie noch einige Worte an die versammelten Teams. Hannelore Ratzeburg formulierte für die Zukunft vor allem den Wunsch, dass noch mehr Kinder begeistert werden können. Die bisherige Entwicklung beeindruckte Luttger Elling, welcher von beginn an den Blindenfußball in Deutschland begleitet und Reiner Delgado sah das Ziel mit dem man vor drei Jahren angetreten war als erreicht an.
Im Namen von Blindenfussball-Online.de zeichnete Sebastian Schäfer (BFW Würzburg) die Spielgemeinschaft aus Braunschweig und Saarbrücken mit dem Fairplay-Preis aus.
Am Ende wurden alle Mannschaften für ihre erreichten Platzierungen in der abgelaufenen Saison geehrt.