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Die Blindenfußball-Bundesligaspieler vom deutschen Meister MTV Stuttgart Jörg Fetzer und Alexander Fangmann reisten am Montag, den 10. Mai 2010, ins Schweizer Städtchen Baar, um an der dortigen Blinden- und Sehbehindertenschule Sonnenberg am Dienstagvormittag einen Blindenfußball-Workshop abzuhalten. Die Einladung hierfür erhielten die in Tübingen wohnenden Blindenfußballer vom Event-Manager Christian Krämling, der den Blindenfußball in der Schweiz etablieren möchte. Im Rahmen der Schulprojekttageorganisierte er zusammen mit der Sportlehrerin Claudia Friedli diesen Schnupperkurs. Für den Workshop, der von 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr andauerte, meldeten sich zehn Schülerinnen und Schüler an. Zu den Teilnehmern zählten blinde, stark sehbehinderte, aber auch sehende Schüler, die sich von Beginn an sehr interessiert zeigten und den Gästen aus Deutschland wissbegierig Fragen stellten.
In der Schweiz fand zwar im Rahmen der Fußball-Europameisterschaft 2008 ein Blindenfußball-Spiel zweier Nationalmannschaften statt, doch mit Schweizer Beteiligung gab es bisher noch nicht einmal eine Trainingseinheit.
Die MTV-Kicker gaben den jungen Schweizer Pionieren zunächst eine kurze theoretische Einführung, erklärten die Spielregeln und zeigten aktuelles Filmmaterial aus Bundesliga-Spielen. Nach einem kurzen geschichtlichen Überblick der Blindenfußball-Entwicklung in Deutschland wurden die Sportschuhe geschnürt und die Halle von den zwischen 8 und 15 Jahre alten Schülern gestürmt.
Anfangs erkundeten die Schüler unter Augenbinden die Sporthalle, die bemerkenswert sehbehindertenfreundlich ist, da weder störende Seile von der Decke hängen noch Sprossenwände oder sonstige Hindernisse Verletzungsrisiken in sich bergen. Erwähnenswert ist, dass einen Meter vor allen vier Wänden ein breiter taktiler Streifen auf dem Boden angebracht ist, sodass die blinden und sehbehinderten Schüler eigenständig laufen können, ohne den Wänden gefährlich nahe zu kommen.
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Weitere Eingewöhnungsübungen zur Orientierung und Mobilität komplettierten das umfassende Aufwärmprogramm. Erst kurz vor der Pause um 10.15 Uhr kam der sehnsüchtig erwartete Ball ins Spiel. Die Grundlagen des Passens und Stoppens konnten die Schüler relativ schnell umsetzen. Durch individuelle Hilfestellungen verbesserten sich die Passgenauigkeit und die Stoppfähigkeit einzelner Spieler schon von Versuch zu Versuch.
Nach der Pause lernten die schweizerischen Teenager das typische Blindenfußball-Dribbeln. In der fortgeschritteneren Gruppe trauten sich vor allem die Jungen den Ball während des Dribbelns zu stoppen, auf einen mit „Voy!“ angreifenden Spieler zu reagieren, diesen sogar zu umspielen und auf das Tor zuzudribbeln. Die vier Workshop-Leiter achteten sehr auf die richtige Technik, korrigierten Fehler und ermutigten zum vielfachen Wiederholen der Ballführungsübungen. Doch der Hunger auf ein richtiges Spiel stieg merklich an, sodass der jüngste Teilnehmer (8 Jahre) seine Mannschaft schon bald wählen durfte. In einem Spiel von je drei Feldspielern drängten insbesondere die Älteren auf den Torabschluss. Auch wenn es an der Kommunikation untereinander noch gewaltig haperte, war der Siegeswillen, der Einsatz und natürlich der Spaß am Blindenfußball deutlich zu spüren.
Nachdem auch die vier teilnehmenden Mädchen ein Abschlussspiel absolviert hatten, waren alle, Schüler und Trainer, mit dem gemeinsamen Sportvormittag sehr zufrieden. Organisator Christian Krämling versprach sein weiteres Engagement für den Blindenfußball und schmiedete zusammen mit den MTV-Spiellern Jörg Fetzer und Alex Fangmann schon weitere Pläne, um den Blindenfußball in der Schweiz zu verbreiten und mittelfristig auch zu etablieren. Nach dem gemeinsamen Mittagessen waren die Beteiligten sich sicher, dass es schon bald ähnliche Veranstaltungen in der Nähe von Basel und Bern geben wird.
Begeistert waren die beiden „Entwicklungshelfer“ in Sachen Blindenfußball nicht nur vom integrativen Konzept der Schule, sondern auch von den in Baar, Zug und Zürich angebrachten Leitsystemen.